geschrieben am 19.12.2011 von Fitness Experte Alexander Gimbel
Gesundheit als Erfolgsfaktor in der Arbeitswelt

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Gesundheit als Erfolgsfaktor in der Arbeitswelt: Der
demographische Wandel verändert das Denken in
Unternehmen
Jeder Sportler weiß, nur wenn er gesund ist, kann er Höchstleistungen erbringen. Diese eigentlich banale Erkenntnis scheint noch nicht in vielen Chefetagen der Unternehmen angekommen, obwohl auch hier Höchstleistungen verlangt werden. Solange die Arbeitsunfähigkeitstage statistisch akzeptabel bleiben, besteht meist kein Handlungsbedarf. Andernfalls werden den Mitarbeitern kurz entschlossen Rückenschulkurse oder einen Beitrag zur Mitgliedschaft im ortsansässigen Fitnessstudio angeboten. Mehr Aktivismus mit Alibifunktion, anstatt einem stringenten Konzept für ein
gesünderes Unternehmen.
Gerade der Arbeitsprozess scheint oft Auslöser von Krankheiten zu sein. Schnelle und andauernde Veränderungen verlangen permanente Flexibilität im Denken und Handeln. Nichts ist mehr sicher. Der Wettbewerbsdruck steigt – auch unter den Mitarbeitern, denn bei Stellenabbau bleiben die Flexibleren, oft sind das die Jüngeren. Die Globalisierung führt dazu, dass bei Arbeitsbeginn die Kollegen in Indien bereits auf Hochtouren arbeiten, bevor sich dann am frühen Nachmittag die Zweigstelle in Amerika an dem Geschehen beteiligt. Präsenz ist gefordert, auch nach der offiziellen Arbeitszeit. Ständig im stand by Modus, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Mails checken, am Abend, an Wochenenden, im Urlaub. Wo bleibt der körperliche und geistige Ausgleich? Das Managen der eigenen Gesundheit und die Pflege sozialer Kontakte? Um den Vergleich mit dem Sportler wieder aufzugreifen: Er weiß, dass Höchstleistungen einen hohen Einsatz benötigen, Tag für Tag, über Monate und Jahre. Er weiß aber auch, dass Leistung und Erfolg eine Balance zwischen Belastung und Erholung erfordert.
Ansonsten kann er seine Leistung nicht mehr erbringen, er ist ausgepowert. Übertraining basiert auf einem biologischen Gesetz, dem alle Menschen unterworfen sind, Leistungsträger im Sport wie im Beruf.
Das „Übertraining“ im Berufsalltag lässt sich an den steigenden Zahlen psychischer Erkrankungen ablesen. Wie das wissenschaftliche Institut der AOK berichtet, hat deren Anzahl seit 1994 bis heute um mehr als 80 % zugenommen. Eine alarmierende Zahl, denn die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat errechnet, dass sich aus den Fehlzeiten Kosten von mehr als 32 Milliarden Euro ergeben. Stress bis hin zum Burnout werden immer mehr zum betriebswirtschaftlichen Problem.
Verstärkt wird dieses durch den sogenannten Präsentismus. Wer krank ist, gehört in Behandlung. Doch manch einer ignoriert dies. Sei es aus Angst um den Arbeitsplatz oder aus Pflichtbewusstsein. Die Folgen sind dieselben. Präsentismus verstärkt das Risiko, in der Zukunft längerfristig auszufallen, haben u.a. englische Wissenschaftler 2005 in der sogenannten Whitehall-II-Studie nachgewiesen. Insofern sagen niedrige
Arbeitsunfähigkeitstage nicht unbedingt aus, dass ein Unternehmen auch „gesund“ ist. Die Ursache dafür, dass Mitarbeiter sich auch im Krankheitsfalle keine Ruhe gönnen, wird häufig von der Denkstruktur des Managements geprägt. Dies könnte sich in Zukunft ändern, denn in den letzten Jahren spüren die Unternehmen immer mehr den demografischen Wandel. Er wird zunehmend schwieriger Auszubildende und benötigte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden. So stellt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung fest, dass bis 2020 die Anzahl an Erwerbspersonen um 1,8 Millionen zurück-gehen wird. Dieser Trend wird sich in den darauf folgenden Jahren noch verstärken. Hinzu kommt, dass die Zahl der älteren Arbeitnehmer steigt. Schätzungen zufolge, werden bis 2030 in einigen Regionen die 55 – 64-Jährigen bis zu 75
% ausmachen. „Der Wirtschaftfaktor Mensch wird eine erkennbare Wertsteigerung erfahren. Er ist der Schlüssel zur Produktivkraft“ schlussfolgern die Autoren Gänsler und Bröske in ihrem bemerkenswerten Buch „Die Gesundarbeiter“.
Der Mitarbeiter wird für seine Arbeit mehr Wertschätzung erfahren. Seine persönliche Familiensituation gerät stärker in den Fokus des Arbeitgebers und es ist zu vermuten, dass es zu einer Entschleunigung des gesamten Arbeitsprozesses kommen wird. Die Entwicklung ist bereits im Gange, wie in einem aktuellen Spiegelbericht 30/2011 unter dem Titel „Jetzt mal langsam“ zu entnehmen ist.
Die Unternehmen werden mehr Geld für intern benötigte Qualifikationen investieren und Gesundheitsmanagement wird sich zunehmend vom „nice to have“ zum „must have“ entwickeln. Dabei wird sich der Trend zunehmend vom Thema „Firmenfitness„ hin zu Themen wenden, welche Gesundheit ganzheitlich betrachten, d.h. sowohl die physische als auch die psycho-soziale und mentale Seite berücksichtigen. Eigene Erfahrungen zeigen, dass die Themen Stress- und Burnoutprophylaxe sowie die Stärkung der mentalen Widerstandsfähigkeit (Resilienz) zunehmend an Bedeutung gewinnen. Da Verhaltensänderungen erfahrungsgemäß länger dauern, ist bei der Konzeption derartiger Maßnahmen auf Nachhaltigkeit zu achten. Forscher der Initiative Arbeit und Gesundheit (IAG) haben außerdem heraus gefunden, dass die Erfolgs-wahrscheinlichkeit u.a. steigt, wenn die Mitarbeiter frühzeitig in die Maßnahmen eingebunden sind, die Geschäftsleitung hinter dem Projekt steht und die Bereitschaft für Investitionen vorhanden
sind.
Dass sich derartige Investitionen rechnen, auch das ist bewiesen. Neben dem IAG Report von 2008 gibt es weitere Quellen, die eine Kosten-Nutzen-Relation von 1:2,5 bis 1:10 berechnen. Damit ist die Rendite weitaus höher als so manche Hedge Fonds.
Der Wettkampf um den Wirtschaftfaktor Gesundheit in den Unternehmen hat begonnen. Wer zu spät kommt, wird verlieren. Somit heißt es in Anlehnung an den Sport: Auf die Plätze, fertig, los!
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